Ein Gewitter braucht keinen Tornado, um gefährliche Winde hervorzubringen. Luft kann mit hoher Geschwindigkeit aus der Wolke absinken, auf den Boden treffen und sich horizontal ausbreiten. Dieses Phänomen heißt Downburst oder Fallböe. Die Vorderkante der kühleren ausströmenden Luft kann eine Böenfront bilden. Windgeschwindigkeit und -richtung ändern sich dann abrupt, mitunter noch bevor der Regen einsetzt.

Dieser Ratgeber erklärt das Phänomen allgemein und ist keine aktuelle Warnung. Prüfen Sie vor Aktivitäten im Freien die Warnungen des amtlichen Wetterdienstes Ihres Landes. Für Spanien steht die Warnseite von AEMET zur Verfügung.

Wie entsteht ein Downburst?

In einer Gewitterwolke gibt es auf- und absteigende Luftströmungen. Fallender Regen und Eis ziehen Luft nach unten. Verdunstet Niederschlag unterhalb der Wolke, kühlt die Luft ab, wird dichter und sinkt schneller. Erreicht ein kräftiger Abwind den Boden, kann er nicht weiter absinken und breitet sich seitlich aus.

Dadurch kann ein heftiger, plötzlicher Wind mit rasch wechselnder Richtung entstehen. Downbursts sind oft räumlich begrenzt und kurzlebig, können aber Äste brechen, ungesicherte Gegenstände fortbewegen und den Straßenverkehr stark beeinträchtigen. Ein Microburst ist eine besonders kleinräumige Form; die geringe Ausdehnung sagt nichts über eine geringe Windstärke aus.

Was ist eine Böenfront?

Die Böenfront markiert die Grenze zwischen der relativ kühlen Gewitterluft und der wärmeren Umgebungsluft. Sie kann dem Niederschlagsbereich vorauslaufen. Beim Durchgang sind ein sprunghafter Windanstieg, ein Temperaturabfall und eine Winddrehung möglich. Manchmal werden Staub, Blätter oder lose Gegenstände entlang einer Linie aufgewirbelt, doch dieses Zeichen tritt nicht immer auf.

Die Ausströmung kann sich weit vom auslösenden Gewitter entfernen. Heller Himmel direkt über dem eigenen Standort bedeutet daher keine Sicherheit, wenn in der Nähe eine dunkle Linie, aufziehender Staub oder aktive Gewitter zu sehen sind.

Nasser und trockener Downburst

Bei einem nassen Downburst erreicht der Abwind den Boden zusammen mit starkem Regen. Bei einem trockenen Downburst verdunstet ein großer Teil des Niederschlags vorher. Sichtbar können Virga sein: Fallstreifen unter der Wolke, die sich in trockener Luft auflösen. Verdunstung verstärkt die Abkühlung und kann den Abwind beschleunigen.

Versuchen Sie während des Ereignisses nicht, die genaue Art zu bestimmen. Starkregen, Virga und Staub sind Hinweise, aber kein Beweis und erlauben allein keine verlässliche Aussage über die Stärke der nächsten Böe.

Unterschied zu einem Tornado

Ein Tornado ist eine rotierende Luftsäule, die mit einer konvektiven Wolke verbunden ist und den Boden berührt. Beim Downburst sinkt die Luft ab und strömt am Boden vom Auftreffpunkt weg; das Muster ist überwiegend divergent und geradlinig. Beide können schwere Schäden verursachen, und eine Staubwolke kann aus der Ferne täuschen.

Fachleute können nach dem Ereignis Beobachtungen und Schadenspuren auswerten. Während des Unwetters sollten Laien keine Diagnose versuchen: Schutz vor Wind und umherfliegenden Gegenständen hat Vorrang.

Mögliche Anzeichen und ihre Grenzen

  • rasches Wachstum einer Gewitterwolke mit sehr dunkler Basis;
  • Regen- oder Hagelvorhang beziehungsweise Virga unter der Wolke;
  • eine Linie aus heranziehendem Staub, Blättern oder Gegenständen;
  • abrupte Änderungen von Temperatur, Windrichtung oder Windstärke;
  • zunehmend näher klingender Donner.

Diese Zeichen können spät auftreten oder verdeckt sein. Auch Radar erfasst kleine, schnell entstehende Phänomene nicht immer rechtzeitig. Warten Sie bei amtlicher Warnung oder bereits zunehmendem Wind nicht auf eine Sichtbestätigung. Unser Ratgeber zur Entfernung eines Gewitters anhand von Blitz und Donner hilft bei der Einschätzung der elektrischen Aktivität; die Gewitterausströmung kann jedoch vor dem Regen eintreffen.

Richtiges Verhalten

Zu Hause oder in einem Gebäude

  • gehen Sie in ein stabiles Gebäude und halten Sie Abstand zu Fenstern, Glastüren und Außenöffnungen;
  • sichern Sie rechtzeitig Blumentöpfe, Markisen, Gartenmöbel und andere lose Gegenstände;
  • gehen Sie während der Böe nicht hinaus, um Sachen zu holen;
  • beachten Sie bei Blitzen zusätzlich unsere Sicherheitshinweise für Gewitter im Freien.

Im Freien oder an der Küste

  • verlassen Sie Strände, Molen, kleine Boote, Grate und exponierte Aussichtspunkte;
  • suchen Sie keinen Schutz unter Bäumen, leichten Vordächern, Zelten oder provisorischen Bauten;
  • gehen Sie in ein geschlossenes Gebäude oder ein Fahrzeug mit festem Dach;
  • halten Sie Abstand zu Ästen, Schildern, Gerüsten und Stromleitungen.

Beim Autofahren

Verringern Sie die Geschwindigkeit gleichmäßig, vergrößern Sie den Abstand und halten Sie das Lenkrad fest. Vermeiden Sie abrupte Manöver, besonders beim Verlassen eines windgeschützten Abschnitts oder beim Überholen hoher Fahrzeuge. Bei schlechter Sicht oder Kontrollverlust halten Sie an einem erlaubten, sicheren Ort fern von Bäumen, Masten, Wasserläufen und Überschwemmungsflächen. Fahren Sie niemals durch Wasser auf der Straße.

Nach der Böe

Meiden Sie heruntergefallene Leitungen, beschädigte Bäume und instabile Konstruktionen. Rufen Sie bei unmittelbarer Gefahr den Notdienst. Weitere Gewitterzellen können erneut Böen bringen; eine kurze Ruhephase bedeutet nicht zwingend Entwarnung.

AEMET sammelt Meldungen zu schweren Wetterereignissen über SINOBAS; die dortige Phänomenkunde erläutert auch Downbursts. Der spanische Bevölkerungsschutz bietet allgemeine Hinweise zu Gewitter, Starkregen und Wind. Entscheidend bleiben stets die aktuellen örtlichen Warnungen.

Das Wichtigste

Bei einem Downburst sinkt Gewitterluft ab und breitet sich am Boden aus; die Böenfront ist ihre vorlaufende Grenze. Gefährlicher Wind kann ohne sichtbaren Tornado auftreten. Suchen Sie bei plötzlicher Windzunahme ein stabiles Gebäude auf, meiden Sie Glas und mögliche Fallobjekte und warten Sie amtliche Informationen ab.