Ein milchiger, gelber oder rötlicher Himmel reicht nicht aus, um Saharastaub sicher festzustellen. Das Erscheinungsbild hängt von Art, Menge und Höhe der Partikel sowie von Feuchte, Bewölkung und Sonnenstand ab. Für eine korrekte Interpretation sind drei Fragen zu trennen: Befindet sich Staub in der gesamten Luftsäule, welche Konzentration wird in Bodennähe erwartet und wie stark könnte die Sicht zurückgehen?
Dieser Beitrag dient der Erklärung und ist keine aktuelle Warnung. Für Entscheidungen zu Gesundheit, Verkehr oder Aktivitäten im Freien sind die amtlichen Warnungen und Messwerte am jeweiligen Ort maßgeblich.
Was Calima bedeutet
Der spanische Begriff Calima bezeichnet eine Trübung der Luft durch trockene Schwebteilchen wie Staub oder Rauch. Auf der Iberischen Halbinsel und den Kanaren ist häufig Mineralstaub aus der Sahara beteiligt. Doch nicht jeder trübe Horizont wird durch Saharastaub verursacht, und nicht jeder Staubtransport führt zu hohen Konzentrationen am Boden.
Starker Wind kann Mineralpartikel aus trockenen Böden anheben. Luftströmungen transportieren sie anschließend Hunderte oder Tausende Kilometer weit. Ein Teil bleibt in erhöhten Schichten, ein anderer kann bis in Bodennähe durchmischt werden. Am Ende verdünnt sich der Staub oder lagert sich trocken ab; bei Niederschlag können Tropfen Partikel aufnehmen und schlammige Spuren hinterlassen.
Staubtrübung, Nebel und hohe Wolken sind verschieden
| Phänomen | Hauptbestandteil | Nützlicher Hinweis |
|---|---|---|
| Calima | Trockene Schwebteilchen | Verblasster Horizont, weniger Kontrast und teils ockerfarbene oder weißliche Töne |
| Nebel | Wassertröpfchen oder Eiskristalle am Boden | Sehr feuchte Luft und schlechte Sicht innerhalb der Schicht |
| Hohe Wolken | Tröpfchen oder Kristalle in größerer Höhe | Können die Sonne verschleiern, ohne die horizontale Sicht stark zu senken |
Feuchte verändert die Lichtstreuung von Aerosolen, weshalb der optische Eindruck allein nicht immer genügt. Unser Beitrag darüber, wie Nebel entsteht und warum die Sicht schwankt, erklärt die Rolle von Sättigung und Wassertröpfchen.
Vier Kartenprodukte mit unterschiedlicher Aussage
1. Wahrscheinlichkeit für Mineralstaub am Boden
Die AEMET-Karten zu Saharastaub schätzen für Spanien die Wahrscheinlichkeit, dass ausgewählte Schwellen der täglichen mittleren Staubkonzentration an der Oberfläche überschritten werden. Sie helfen bei der Frage nach bodennaher Belastung. Eine Wahrscheinlichkeit ist jedoch keine gemessene Konzentration und bedeutet nicht überall im eingefärbten Gebiet denselben Wert.
2. PM10-Konzentration
PM10 umfasst Partikel mit einem aerodynamischen Durchmesser bis 10 Mikrometer. Mineralstaub trägt dazu bei, doch es gibt weitere Quellen. Eine Karte des gesamten PM10 kann nicht jedes Partikel automatisch der Sahara zuordnen. Sie sollte mit einem spezifischen Staubtracer, Messstationen und Angaben der zuständigen Behörden verglichen werden.
3. Aerosol Optical Depth (AOD)
Die AOD beschreibt, wie stark Aerosole das Licht über die gesamte Luftsäule abschwächen. Ein hoher Wert kann aus einer Staubschicht in großer Höhe stammen, die den Himmel verfärbt, ohne am Boden dieselbe Konzentration zu erzeugen. AOD darf daher nicht direkt in bodennahes PM10 umgerechnet werden. Der europäische Copernicus Atmosphere Monitoring Service erläutert die Beobachtung von Wüstenstaub mit Messungen und Modellen.
4. Meteorologische Sichtweite
Die Sichtweite hängt von Menge und Größe der Partikel und Tröpfchen, aber auch von Feuchte, Nebel, Niederschlag und örtlichen Bedingungen ab. Eine Staubprognose ersetzt keine konkrete Sichtbeobachtung oder -vorhersage für Straßen, Häfen oder Luftfahrt.
Eine Kartenfolge richtig auswerten
- Gültigkeitszeit und Zeitzone prüfen. Eine Mittagsprognose darf nicht direkt mit einer nächtlichen Beobachtung verglichen werden.
- Variable und Einheit lesen. Wahrscheinlichkeit, Mikrogramm pro Kubikmeter, AOD und Kilometer Sichtweite sind nicht austauschbar.
- Höhe beachten. Eine Staubfahne in 3.000 Metern bedeutet nicht automatisch starke Belastung am Boden.
- Entwicklung verfolgen. Übereinstimmung über mehrere aufeinanderfolgende Termine ist aussagekräftiger als ein einzelnes fernes Bild.
- Modell und Beobachtung vergleichen. Satelliten, Luftgütestationen und Sichtmessungen liefern unterschiedliche, ergänzende Belege.
- Örtliche Warnungen lesen. Verhaltensempfehlungen kommen von den zuständigen Stellen, nicht von einer einzelnen Kartenfarbe.
Warum kann Regen Schlammspuren hinterlassen?
Regentropfen, die durch eine Staubschicht fallen, können Partikel aufnehmen und zum Boden transportieren. Das Wasser wirkt dann trüb oder hinterlässt nach dem Trocknen Flecken. Diese Ablagerung verrät aber nicht automatisch die über den gesamten Zeitraum eingeatmete Konzentration. Staub ist auch ohne Regen möglich und Regen ohne sichtbare Staubablagerung.
Praktische Entscheidungen
- Für die Luftqualität sind der amtliche regionale Index und die Messstationen zusätzlich zur Prognose zu prüfen.
- Empfehlen Gesundheitsbehörden weniger Anstrengung im Freien, sollte dies besonders von gefährdeten Personen befolgt werden.
- Beim Fahren oder auf See zählen die tatsächliche Sicht und Verkehrswarnungen; die Himmelsfarbe ist kein Entfernungsmesser.
- Für Fotografie, Solarenergie oder Reinigung sind Staub in der Luft und trockene beziehungsweise nasse Ablagerung zu berücksichtigen.
Copernicus veröffentlicht europäische Vorhersagen für PM10, PM2.5 und Staubtracer. Am zuverlässigsten ist die Kombination mit dem nationalen Wetterdienst und dem Luftgütemessnetz.
Das Wichtigste
- Calima ist eine Lufttrübung durch trockene Partikel und kein Nebel.
- Staub kann in der Höhe bleiben, ohne am Boden dieselbe Konzentration zu erreichen.
- AOD, PM10, Überschreitungswahrscheinlichkeit und Sichtweite sind verschiedene Größen.
- Modellprognosen sollten mit Beobachtungen und amtlichen Warnungen abgeglichen werden.
