Lenticularis-Wolken fallen durch ihre glatte, längliche und manchmal gestapelte Form auf. Sie erinnern an Linsen oder Untertassen. Dahinter steckt ein gut erklärbarer Vorgang: Überströmt Luft ein Gebirge, kann sie in Wellen schwingen. Im aufsteigenden, abkühlenden Teil erreicht sie mitunter die Sättigung und bildet eine Wolke.

Die Weltorganisation für Meteorologie beschreibt lenticularis als Wolkenart mit meist klar begrenzten Umrissen, die häufig in orografisch erzeugten Wolkenfeldern vorkommt. Der Begriff wird vor allem bei Cirrocumulus, Altocumulus und Stratocumulus verwendet. Am bekanntesten ist Altocumulus lenticularis.

Wie entsteht eine Lenticularis-Wolke?

Trifft eine relativ stabile Strömung auf einen Berg, wird die Luft an der Luvseite zum Aufsteigen gezwungen. Hinter dem Kamm kann sie absinken und erneut aufsteigen. Dadurch entsteht im Lee eine Folge atmosphärischer Wellen.

Enthält eine Schicht genügend Feuchtigkeit, führt die Abkühlung beim Aufsteigen zur Kondensation. Im absinkenden Teil erwärmt sich die Luft und die Tropfen verdunsten. Die Wolke bildet sich an einer Seite ständig neu und löst sich an der anderen auf.

Warum scheint sie stillzustehen?

Eine Lenticularis-Wolke kann lange fast ortsfest wirken, obwohl die Luft schnell hindurchströmt. Sie besteht nicht immer aus denselben Tropfen. Im Aufwind entstehen neue, im Abwind verdunsten andere. Sichtbar bleibt die Position der Welle, nicht ein ruhendes Luftpaket.

Das erklärt auch die glatten Ränder. Liegen feuchte Schichten in mehreren Höhen, können mehrere Linsen übereinander erscheinen.

Wo treten Lenticularis-Wolken auf?

Sie sind häufig an Gebirgsketten und einzelnen Bergen zu sehen, wenn die Strömung das Relief mit einer deutlichen Querkomponente überquert. Die Wolke kann über dem Kamm oder weiter im Lee entstehen. Sie muss daher nicht direkt über dem Berg stehen.

Die WMO weist darauf hin, dass lenticularis auch ohne ausgeprägte Orographie vorkommen kann. Die Form ist ein wichtiger Hinweis, muss aber zusammen mit Wolkenhöhe und Wetterlage betrachtet werden.

Was verraten sie über den Wind?

Eine Lenticularis-Wolke macht Wellenbewegung und ausreichende Feuchtigkeit in ihrer Entstehungshöhe sichtbar. Im Gebirge begleitet sie häufig eine Überströmung. Der Höhenwind kann dabei deutlich stärker sein als der Wind in einem geschützten Tal.

Gebirgswellen können mit starken Vertikalbewegungen, schnellen Änderungen und Turbulenz verbunden sein. Unter der Welle können im Lee Rotoren entstehen. Aus einem Foto lassen sich jedoch weder genaue Windgeschwindigkeit noch Höhe oder Stärke der Turbulenz bestimmen.

Was lässt sich nicht daraus ableiten?

  • Die Wolke kündigt nicht automatisch ein Gewitter an.
  • Sie bedeutet nicht zwingend Niederschlag am Beobachtungsort.
  • Sie ist kein verlässliches Tornadozeichen.
  • Ohne weitere Daten beschreibt sie nicht den Bodenwind.
  • Ein spektakuläres Aussehen bedeutet nicht überall gefährliches Wetter.

Der Himmel kann ruhig wirken, während die Bedingungen für Luftfahrt oder exponierte Bergaktivitäten wichtig sind. Entscheidend sind Vorhersage, Warnungen, Beobachtungen, Höhe, Geländeausrichtung und Windentwicklung.

Hinweise für Bergtouren

Vor einer Tour in großer Höhe sollten bei Lenticularis-Wolken die amtliche Vorhersage und aktuelle Warnungen geprüft werden. Vergleichen Sie Gipfel- und Talwind. Schneefahnen, zerfetzte Wolken und Probleme beim Gehen auf freien Graten sind zusätzliche Hinweise.

Die Wolke ersetzt keine Prognose und verlangt nicht automatisch einen Abbruch. Sie ist ein Anlass, mehr Informationen einzuholen und Reserven besonders an Graten, Pässen und Leehängen neu zu bewerten.

Merkmale zur Erkennung

Achten Sie auf Linsen- oder Mandelform, klare Umrisse und eine ähnliche Ausrichtung mehrerer Wolken. Schichtung und Irisieren sind möglich. Nicht jede glatte Einzelwolke ist lenticularis: Konvektive Wolken verändern sich oft rasch, Lenticularis-Wolken behalten Position und Profil meist länger.

Die technische Hauptreferenz ist der Internationale Wolkenatlas der WMO. Für Sicherheitsentscheidungen sind stets aktuelle amtliche Vorhersagen und Warnungen maßgeblich.