Ein Blitz dauert oft nur den Bruchteil einer Sekunde, doch sein Donner kann deutlich länger über den Himmel rollen. Manchmal erreicht er uns als trockener, scharfer Knall, manchmal als tiefes Grollen, das an- und abschwillt. Das sind keine verschiedenen Phänomene, sondern unterschiedliche Arten, den Schall eines langen, unregelmäßigen Blitzkanals zu hören.
Donner beginnt mit extrem schneller Erwärmung
Die elektrische Entladung erhitzt die Luft um den Blitzkanal innerhalb eines Sekundenbruchteils auf mehrere Zehntausend Grad. Die Luft dehnt sich explosionsartig aus, verdichtet die Umgebungsluft und erzeugt eine Stoßwelle. Während sich diese Störung ausbreitet und abschwächt, wird sie zu der Schallwelle, die wir als Donner wahrnehmen.
Donner ist also nicht das Geräusch zusammenstoßender Wolken. Er ist die Reaktion der Atmosphäre auf die plötzliche Erwärmung durch den Blitz.
Ein Blitz ist eine Linie, kein Punkt
Das Grollen lässt sich vor allem durch die Geometrie erklären. Ein Blitzkanal kann mehrere Kilometer lang sein, sich stark verzweigen und Wolkenbereiche durchqueren, die unterschiedlich weit vom Beobachter entfernt sind. Jeder kleine Abschnitt erzeugt eine eigene Stoßwelle. Der Schall des nächsten Abschnitts trifft zuerst ein, danach folgen Wellen von immer weiter entfernten Teilen.
Diese unterschiedlichen Laufzeiten machen aus einer nahezu augenblicklichen Entladung eine hörbare Folge. NOAA beschreibt Donner als Summe vieler Stoßwellen entlang des Blitzwegs. Das Ohr trennt sie nicht einzeln, sondern nimmt Schläge, Lautstärkeschwankungen und ein fortlaufendes Rollen wahr.
Naher Knall, fernes Grollen
Verläuft der Kanal relativ nah, bleibt die Wellenfront steil und kann wie ein Knacken, Krachen oder kurzer Explosionsknall klingen. In größerer Entfernung werden die Wellen gedehnt, schwächer und zeitlich weiter verteilt. So entsteht ein tieferes, längeres Grollen.
Hohe Frequenzen werden auf dem Weg stärker gedämpft als tiefe. Ferner Donner verliert deshalb seine scharfe Kante, während vor allem die tiefen Töne erhalten bleiben.
Warum sich die Lautstärke innerhalb eines Donners ändert
Ein Donnergrollen klingt nicht immer gleichmäßig ab. Manche Kanalabschnitte können so ausgerichtet sein, dass mehrere Wellen fast gleichzeitig ankommen und sich verstärken. Andere treffen mit größeren Abständen ein. Gebäude, Hänge und Täler reflektieren Schall; Temperatur- und Windunterschiede brechen ihn und krümmen seinen Weg.
Darum kann ein Blitz zunächst einen Knall, dann eine kurze Pause und anschließend weiteres Grollen verursachen. Zwei Personen, die nur wenige Kilometer voneinander entfernt sind, können dieselbe Entladung unterschiedlich beschreiben.
Lässt sich die Entfernung am Klang erkennen?
Nur grob. Ein heftiger Knall spricht meist für einen nahen Teil des Blitzkanals, ein gedämpftes Rollen eher für eine weiter entfernte Entladung. Kanalform und atmosphärische Bedingungen verhindern jedoch eine genaue Entfernungsmessung allein anhand des Klangs.
Für eine einfache Schätzung nutzt man die Zeit zwischen Lichtblitz und erstem Donner: ungefähr drei Sekunden pro Kilometer. Unser Ratgeber zum Berechnen der Gewitterentfernung mit Blitz und Donner erklärt Methode und Grenzen. Die Rechnung darf niemals dazu dienen, den Weg in einen Schutzraum hinauszuzögern.
Die Sicherheitsbotschaft ist wichtiger als die Akustik
Wer Donner hört, befindet sich nahe genug an elektrischer Aktivität, um gefährdet zu sein. Warten Sie weder auf einen lauten Knall noch auf Regen am eigenen Standort. Suchen Sie ein festes Gebäude oder ein vollständig geschlossenes Fahrzeug mit Metalldach auf und bleiben Sie bis 30 Minuten nach dem letzten Donner geschützt.
- Leiser Donner bedeutet nicht, dass keine Gefahr besteht.
- Blitze können außerhalb des Hauptregenbereichs einschlagen.
- Sekundenzählen ist eine Schätzung, keine Erlaubnis, draußen zu bleiben.
Kurz zusammengefasst
Donner grollt, weil ein Blitz entlang eines ausgedehnten Kanals Stoßwellen erzeugt. Nahe Abschnitte hört man vor weiter entfernten; die Entfernung dämpft hohe Frequenzen; und Kanalgeometrie, Gelände sowie die Temperaturschichtung der Atmosphäre verändern die Ausbreitung. So reicht das Ergebnis vom kurzen Knall bis zum scheinbar endlosen Rollen. Jeder hörbare Donner ist ein Signal, Schutz zu suchen.
