Der Unsicherheitskegel gehört zu den meistgeteilten Grafiken bei Tropenstürmen und Hurrikanen—und zu den am häufigsten missverstandenen. Er soll vor allem zeigen, wo sich das Zentrum des Wirbelsturms in den kommenden Tagen befinden könnte. Er bildet weder die tatsächliche Sturmgröße noch das gesamte Wirkungsgebiet ab.
Dieser Beitrag ist eine Erklärung und keine aktuelle Warnung. Bei einem aktiven Wirbelsturm sind stets die Meldungen des zuständigen Wetterzentrums sowie nationale und lokale Warnungen maßgeblich.
Was der Kegel wirklich darstellt
Das National Hurricane Center (NHC) sagt die Position des Sturmzentrums für mehrere zukünftige Zeitpunkte voraus. Um jeden Punkt liegt ein Spielraum, der aus amtlichen Zugbahnfehlern vergangener Jahre abgeleitet wird. Die äußere Hülle dieser Bereiche bildet den Kegel.
Beim traditionellen Kegel werden die Kreise so bemessen, dass sie ungefähr zwei Drittel der historischen Positionsfehler einer aktuellen Fünfjahresstichprobe einschließen. Betrachtet man die gesamte vorhergesagte Zugbahn, bleibt das Zentrum ungefähr in 60–70% der Fälle im Kegel. Er zeigt Wahrscheinlichkeit, keine Gewissheit.
Warum wird der Kegel breiter?
Beobachtungen liefern die aktuelle Position. Kleine Unterschiede zwischen Vorhersagen wachsen jedoch mit der Zeit. Eine geringe Abweichung bei Richtung oder Zuggeschwindigkeit kann nach mehreren Tagen eine große Distanz ergeben. Die Verbreiterung steht für diesen zunehmenden historischen Fehler.
Das schmale Ende bedeutet nicht geringe Gefahr, das breite Ende keinen größeren Sturm. Es nimmt lediglich die Unsicherheit über die zukünftige Lage des Zentrums zu.
Die Mittellinie ist keine Schiene
Die Verbindungslinie der Vorhersagepunkte ist die amtlich erwartete Bahn, aber kein festgelegter Weg. Das Zentrum kann links oder rechts davon ziehen und weiterhin einem plausiblen Szenario entsprechen. Auch der Rand ist keine Barriere: Manche Zentren verlaufen später außerhalb des Kegels.
Wer nur die Linie betrachtet, erhält eine falsche Genauigkeit. Ein Ort knapp daneben ist nicht automatisch sicher; ein Ort direkt darunter weiß noch nicht, welcher Sturmteil ihn treffen könnte.
Der Kegel zeigt nicht die Sturmgröße
Starkregen, Böen, hohe Wellen und Tornados können weit vom Zentrum entfernt auftreten. Regenbänder erreichen Gebiete außerhalb des Kegels. Bei großen oder asymmetrischen Systemen verteilen sich Gefahren zudem nicht gleichmäßig um das Auge.
Windstau und Sturmflut hängen von Wind, Luftdruck, Küstenform, Wassertiefe und astronomischer Tide ab. Dieses Risiko lässt sich nicht allein aus dem Kegel ablesen.
Zeigt der Kegel die künftige Stärke?
Nicht für sich allein. Symbole entlang der Bahn können die erwartete Kategorie zu bestimmten Zeitpunkten anzeigen, doch die Kegelfläche beschreibt die Positionsunsicherheit. Auch die Intensität ist unsicher und kann sich rasch ändern. Lesen Sie zusätzlich Intensitätsprognose, Windfelder, Niederschlagsinformationen und amtliche Warnungen.
Eine Wirbelsturmkarte in fünf Schritten lesen
- Datum, Uhrzeit und Zeitzone des Berichts prüfen.
- Das aktuelle Zentrum finden und vergangene von vorhergesagter Bahn trennen.
- Den ganzen Kegel betrachten, nicht nur die Mittellinie.
- Gefahrenebenen ergänzen: Wind, Regen, Wellen, Küstenhochwasser und Warnungen.
- Aufeinanderfolgende Updates vergleichen, ohne eine kleine Verschiebung überzubewerten.
Was bedeutet das für Europa?
Das NHC ist das regionale Fachzentrum für den Nordatlantik, doch sein Kegel ersetzt keine europäischen Warnungen. Nähert sich ein System den Azoren oder Kanaren oder wandelt es sich auf dem Weg nach Europa in ein außertropisches Tief um, sind der nationale Wetterdienst und Katastrophenschutz des betroffenen Gebiets entscheidend.
Die Saison 2026 begann ruhig. Unser Atlantikbericht vom 12. September erklärt, warum fünf benannte Stürme noch keine Hurrikanstärke erreichten. Eine ruhige Phase ändert nicht, wie eine spätere Vorhersage gelesen werden muss.
