Nebel ist weder Dampf, der aus dem Boden steigt, noch einfach eine „herabgefallene“ Wolke. Er besteht aus winzigen Wassertröpfchen — bei starker Kälte auch Eiskristallen — in bodennaher Luft. Die Weltorganisation für Meteorologie ordnet ihn als sichtmindernden Hydrometeor ein. Physikalisch ähnelt er einer Wolke, bildet oder erstreckt sich aber in die Schicht, in der Menschen leben und unterwegs sind.
Dieser Beitrag ist ein Ratgeber und keine aktuelle Warnung. Wenn Nebel eine Reise beeinflussen könnte, prüfen Sie Sichtvorhersage, amtliche Warnungen und aktuelle Verkehrs- oder Verkehrsmittelinformationen.
Grundbedingung: Luft nahe der Sättigung
Schwebende Tröpfchen entstehen, wenn sich Luft der Sättigung nähert. Sie kann bis nahe an den Taupunkt abkühlen, Wasserdampf aufnehmen oder beides. Außerdem braucht es mikroskopische Kondensationskeime und eine passende Durchmischung. Starker Wind kann eine flache Schicht auflösen; völlige Windstille fördert ihre Ausbreitung jedoch ebenfalls nicht in jeder Lage.
Der Abstand zwischen Temperatur und Taupunkt ist ein Hinweis, keine automatische Vorhersage. Unser Beitrag über relative Luftfeuchtigkeit und Taupunkt erklärt, warum beide Werte zusammen mit Wind, Bewölkung und Gelände betrachtet werden müssen.
Strahlungsnebel: nächtliche Abkühlung
Bei klarem Himmel verliert der Boden nach Sonnenuntergang Wärme durch Ausstrahlung. Die direkt darüberliegende Luft kann bis zur Sättigung abkühlen und flachen Nebel bilden. Schwacher Wind ist oft günstig, weil er Feuchte in einer dünnen Schicht verteilt, ohne diese zu zerstören. Feuchte Felder, Flussniederungen und Senken sind typische Orte.
Die Sonne kann den Boden erwärmen und die Tropfen verdunsten lassen. Nebel löst sich morgens aber nicht zwangsläufig auf. Eine beständige Inversion, höhere Wolken, viel Feuchte oder geringe Erwärmung können ihn stundenlang erhalten.
Talnebel: Das Gelände sammelt Kaltluft
Nachts kann abgekühlte, dichtere Luft die Hänge hinabfließen und sich am Talboden sammeln. Dort treffen niedrige Temperatur, Feuchte aus Flüssen oder Böden und eine Inversion zusammen, die vertikale Mischung hemmt. Über einem Nebelmeer können Gipfel in der Sonne liegen.
Nahe Orte auf unterschiedlicher Höhe können daher völlig andere Sichtweiten haben. Eine freie Strecke am Hang kann beim Abstieg abrupt in dichten Nebel führen.
Advektions- und Küstennebel
Advektion bedeutet horizontalen Lufttransport. Strömt feuchte Luft über ein kälteres Meer, eine kühle Küste oder ausgekühltes Land, kühlt ihre unterste Schicht ab und kann gesättigt werden. Anders als Strahlungsnebel benötigt Advektionsnebel Luftbewegung; er kann tagsüber bestehen und weit ins Landesinnere ziehen.
Eine kleine Winddrehung kann eine Nebelbank vom Meer an Strand, Hafen oder Flughafen schieben. Das wirkt plötzlich, obwohl die Schicht schon in der Nähe vorhanden war.
Hangnebel
Drückt Wind feuchte Luft einen Hang hinauf, dehnt sie sich aus und kühlt ab. Bei Sättigung entstehen Tröpfchen am Hang. Vom Tal erscheint dies als tiefe Wolke; für jemanden auf dem Berg ist es Nebel.
Pässe, Wanderwege und exponierte Straßen können bedeckt sein, während die andere Bergseite frei bleibt. Entscheidend ist die Ausrichtung des Geländes zum Wind.
Verdunstungs- und Niederschlagsnebel
Verdunstungsnebel, auch Dampfnebel oder Seerauch genannt, entsteht, wenn kalte Luft über relativ warmes Wasser zieht. Zusätzlicher Wasserdampf kondensiert rasch zu niedrigen Schwaden; es handelt sich nicht um Rauch. Bei Niederschlagsnebel verdunstet ein Teil des Regens in kälterer Luft unter der Wolke, erhöht deren Feuchte und sättigt die bodennahe Schicht.
Mehrere Mechanismen können zusammenwirken. Die Bezeichnung nennt den dominierenden Prozess, keine starr getrennte Klasse.
Nebel, feuchter Dunst und trockener Dunst
Nebel und feuchter Dunst bestehen vor allem aus Wassertröpfchen, werden aber anhand der Sichtweite unterschieden. Das Met Office setzt für Nebel weniger als 1.000 Meter, für Mist mindestens 1.000 Meter an. Betriebliche Grenzwerte können je nach Dienst und Branche abweichen; maßgeblich ist die Definition der jeweiligen Beobachtung.
Trockener Dunst beruht überwiegend auf Partikeln wie Staub, Salz oder Schadstoffen. Er kann die Sicht ebenfalls mindern, tritt aber unter anderen Feuchte- und Farbbedingungen auf und ist nicht automatisch Nebel.
Warum die Sicht so schnell wechseln kann
- Bänke und Ränder: Feuchte, Wind und Temperatur ändern sich kleinräumig.
- Gelände: Eine Kurve oder Abfahrt kann in die Schicht führen.
- Wind: Er verlagert und mischt Nebel und verändert dessen Mächtigkeit.
- Licht: Tröpfchen streuen Licht; Fernlicht erzeugt eine helle Wand.
- Messung: Ein Sensor steht nicht für eine ganze Straße, Piste oder ein Tal.
Eine Nebelvorhersage richtig lesen
Betrachten Sie Temperatur, Taupunkt, Wind, Bewölkung, jüngsten Regen, Bodenfeuchte und Gelände gemeinsam. Eine klare, windschwache Nacht mit feuchter Luft begünstigt Strahlungsnebel; feuchte Strömung über kaltem Meer spricht für Advektion. Keine einfache Regel garantiert Entstehung oder Dichte.
Lokale Vorhersagen und Warnungen werden anhand von Beobachtungen aktualisiert. Für Autofahrten bietet unser Ratgeber zum sicheren Fahren bei Nebel praktische Hinweise: Tempo und Abstand richten sich nach der tatsächlich sichtbaren Strecke.
Das Wichtigste
- Nebel ist eine sichtmindernde Suspension von Tröpfchen oder Kristallen am Boden.
- Abkühlung, Feuchtezufuhr oder Hebung können ihn erzeugen.
- Strahlungs-, Tal-, Advektions-, Hang-, Verdunstungs- und Niederschlagsnebel können sich überlagern.
- Die Sicht kann abrupt wechseln; ein einzelner Messwert reicht nicht zur Vorhersage.
