Wetterradar zeigt sehr anschaulich, wo sich Niederschlag im Moment befindet und wie er sich in den letzten Minuten verändert hat. Das farbige Bild ist jedoch weder ein direktes Foto des am Boden ankommenden Regens noch eine genaue Vorhersage für die nächste Stunde.

Für eine sinnvolle Interpretation sind drei Fragen zu trennen: Was wird gemessen, wie bewegen sich die Echos und welche Einflüsse können das Bild verfälschen? Das hilft bei Fahrten, Sport, Außenarbeiten und Veranstaltungen.

Was Radar tatsächlich erfasst

Ein Radar sendet Energieimpulse und analysiert den Anteil, der von Regentropfen, Schneeflocken, Hagel oder anderen Zielen zurückkommt. Das Grundprodukt heißt Reflektivität. Stärkere Signale hängen häufig mit größeren oder zahlreicheren Hydrometeoren zusammen; die Beziehung zum Niederschlag am Boden ist aber nicht konstant.

Der amtliche Radardienst von AEMET bietet beispielsweise Reflektivität in dBZ, Echo-Top-Höhen und geschätzte Niederschlagssummen. Diese Produkte dürfen nicht verwechselt werden: Ein momentanes Reflektivitätsbild ist keine Stundensumme.

Was die Farben bedeuten

Farben stehen für Intervalle der jeweils gewählten Skala. Grün, Gelb und Rot haben deshalb keine universelle Bedeutung. Häufig zeigen kühle Farben schwächere und warme Farben stärkere Reflektivität; entscheidend ist immer die Legende.

  • Schwache Echos: können leichten Niederschlag, Schnee, Virga oder nicht meteorologische Ziele darstellen.
  • Mittlere Echos: deuten auf organisierteren Niederschlag hin; die Stärke am Boden hängt von Wolkentyp und Entfernung ab.
  • Starke Echos: können Starkregen, Gewitter oder Hagel begleiten, bestätigen diese aber nicht allein.

Ein abrupter Farbwechsel in einer Zelle ist ein Reflektivitätsgradient, keine exakte Grenze am Boden.

Die Animation nutzen

Eine Bildfolge lässt scheinbare Richtung und Geschwindigkeit der Echos erkennen. Mehrere Frames betrachten und markante Kerne, Linien oder Kanten verfolgen. Wichtig ist auch, ob die Form stabil bleibt.

Eine kurze Extrapolation kann helfen, doch Schauer entstehen, wachsen, teilen sich und lösen sich auf. Eine neue Zelle kann direkt über dem Standort entstehen. Bei breiten, stabilen Regengebieten funktioniert die Fortschreibung meist besser als bei rascher Konvektion.

Warum Regen fehlen kann

Mit zunehmender Entfernung liegt der Radarstrahl höher über dem Boden und kann flache Niederschlagsgebiete überschießen. Berge können ihn blockieren. Nieselregen oder Niederschlag aus niedrigen Wolken wird daher manchmal unterschätzt.

Umgekehrt kann das Radar Niederschlag in der Höhe erfassen, der vor dem Boden verdunstet. Das Bild sollte mit lokalen Beobachtungen und Messstationen verglichen werden.

Echos, die nicht unbedingt Regen sind

Gelände, Gebäude, Windkraftanlagen, Insekten, Vögel und besondere Ausbreitungsbedingungen können Rückstreuung erzeugen. Moderne Filter entfernen vieles, aber nicht alles. Ortsfeste Echos mit unveränderlicher Form sind verdächtig.

Schmelzende Schneeflocken können im Winter vorübergehend ein verstärktes Band erzeugen. Sehr intensiver Niederschlag kann das Signal dahinter abschwächen und entfernte Bereiche künstlich schwach erscheinen lassen.

Beobachtung gegenüber Vorhersage

Radar beschreibt vor allem jüngste Beobachtungen. Eine Vorhersage kombiniert Modelle, Messungen und Analyse. Nowcasting überträgt aktuelle Entwicklungen in die nahe Zukunft, bleibt aber gegenüber Neubildung und Zerfall von Schauern unsicher.

Für eine Aktivität sollten kombiniert werden:

  1. Stundenprognose für das wahrscheinliche Zeitfenster;
  2. Radar für die unmittelbare Entwicklung;
  3. amtliche Warnungen für die Gefahrenbewertung.

Fünf praktische Schritte

  1. Zeitstempel und Zeitzone des neuesten Bildes prüfen.
  2. Legende lesen und Produktart erkennen.
  3. Die gesamte Sequenz abspielen und Wachstum von Bewegung unterscheiden.
  4. Entfernung, Gelände und mögliche Abdeckungslücken berücksichtigen.
  5. Vor sicherheitsrelevanten Entscheidungen den nationalen Wetterdienst und die amtlichen europäischen Warnungen von Meteoalarm prüfen.

Der wichtigste Gedanke

Radar beantwortet sehr gut, wo gerade Niederschlag erkannt wird. Allein beantwortet es schlecht, wie viel in einer Stunde genau an einem Ort fällt. Farben brauchen eine Legende, Animationen Kontext und Sicherheitsentscheidungen amtliche Prognosen und Warnungen.