Die Feuchtkugeltemperatur beschreibt, wie weit sich Luft unter bestimmten Bedingungen durch Wasserverdunstung abkühlen kann. Sie hilft, Wärme und Feuchte gemeinsam einzuordnen, ist aber weder die normale Lufttemperatur noch eine direkte Vorhersage des persönlichen Empfindens.
Wie wird sie gemessen?
Klassisch kommen zwei belüftete Thermometer zum Einsatz. Das Trockenthermometer misst die Lufttemperatur. Die Kugel des zweiten Thermometers ist mit einem feuchten Docht umhüllt. Verdunstung entzieht Wärme und senkt die Anzeige.
In trockener Luft verdunstet Wasser gut und die Differenz ist größer. Bei sehr feuchter Luft verdunstet weniger Wasser; die Werte nähern sich an. Bei 100% relativer Feuchte sind sie unter idealen Messbedingungen gleich.
Moderne Stationen und Modelle berechnen den Wert auch aus Temperatur, Feuchte und Luftdruck. Einfache Rechner liefern nur formelabhängige Näherungen.
Was sagt der Wert aus?
Liegt die Feuchtkugel deutlich unter der Lufttemperatur, besteht viel Potenzial für Verdunstungskühlung. Liegen beide nahe zusammen, ist die Luft feucht und Verdunstung weniger wirksam.
Zwei Orte können dieselbe Lufttemperatur und unterschiedliche Feuchtkugelwerte haben. Der feuchtere Ort weist meist den höheren Wert auf.
Nicht mit dem Taupunkt verwechseln
Der Taupunkt ist die Temperatur, auf die Luft bei im Wesentlichen gleichem Wasserdampfgehalt abkühlen muss, um gesättigt zu sein. Die Feuchtkugeltemperatur entsteht durch Verdunstung sowie Wärme- und Feuchteaustausch. Es sind unterschiedliche Prozesse.
Keine gefühlte Temperatur
Ein Hitzeindex schätzt unter bestimmten Annahmen die Wirkung von Temperatur und Feuchte auf Menschen. Die Feuchtkugeltemperatur ist eine physikalische Größe von Luft und Verdunstung. Beide Skalen sind nicht austauschbar.
Feuchtkugel und WBGT
Die Wet Bulb Globe Temperature (WBGT) ist nicht einfach die Feuchtkugeltemperatur. Der National Weather Service erläutert, dass WBGT Temperatur, Feuchte, Wind, Sonneneinstrahlung und weitere Parameter berücksichtigt und bei Planung von Arbeit und Sport im Freien hilft.
Prüfen Sie deshalb Bezeichnung, Einheit, Annahmen zu Sonne oder Schatten und die offiziellen Handlungsempfehlungen.
Anzeige in App oder Karte lesen
- Zeit und Ort prüfen: Der Wert kann sich schnell und kleinräumig ändern.
- Mit Lufttemperatur vergleichen: Die Differenz liefert zusätzlichen Kontext.
- Wind und Sonne ergänzen: Beide verändern die reale Wärmebelastung.
- Dauer beachten: Mehrere heiße, feuchte Stunden und warme Nächte sind wichtiger als eine kurze Spitze.
- Offizielle Warnungen beachten: Ein einzelner Internetgrenzwert ersetzt keine lokale Warnung.
Bei Hitze und hoher Feuchte
Schwere Tätigkeiten in kühlere Stunden verlegen, Belastung reduzieren, Schatten oder kühle Räume nutzen, Pausen machen und angemessen trinken. Auch schrittweise Hitzegewöhnung und Arbeits-Pausen-Pläne sind sinnvoll.
Kein einzelner Wert bestimmt das persönliche Risiko. Sonne, Wind, Dauer, Aktivität, Kleidung, Akklimatisation und Gesundheit wirken zusammen. Bei schweren Beschwerden oder Notfallwarnungen gelten die örtlichen Gesundheits- und Katastrophenschutzhinweise.
Kurz gesagt
Die Feuchtkugeltemperatur zeigt, wie viel Verdunstungskühlung möglich ist. Sie sollte zusammen mit anderen Größen gelesen und nicht mit Taupunkt, Hitzeindex oder WBGT verwechselt werden.
