Eine Vorhersage kann 25 km/h Wind und Böen bis 55 km/h anzeigen. Das ist kein Widerspruch. Die Werte beschreiben verschiedene Seiten einer ständig schwankenden Strömung. Der mittlere Wind fasst die allgemeinen Bedingungen zusammen, eine Böe ist ein kurzer, stärkerer Schub. Für die Planung sind beide Zahlen wichtig.
Was der mittlere Wind aussagt
Der mittlere Wind entsteht aus vielen Messungen über ein festgelegtes Zeitfenster. Dieses Fenster ist nicht bei allen Wetterdiensten gleich. Der britische Met Office verwendet bei Beobachtungen üblicherweise einen Zehn-Minuten-Mittelwert, während der US National Weather Service anhaltenden Wind in bestimmten Produkten über zwei Minuten mittelt. Leichte Unterschiede zwischen Quellen sind daher nicht automatisch Fehler.
In einer Stundenprognose beschreibt die Windgeschwindigkeit meist die allgemeine Strömung zu diesem Zeitpunkt oder in diesem Zeitraum. Sie zeigt, ob es ruhig, windig oder sehr windig wird, erfasst aber nicht allein die kurzen Spitzen, die Fahrzeuge oder Gegenstände bewegen können.
Was eine Böe ist
Eine Böe ist ein kurzzeitiger Anstieg der Geschwindigkeit. Bei Beobachtungen des Met Office entspricht sie dem höchsten Drei-Sekunden-Mittel innerhalb des Messzeitraums. In Prognosen steht der Böenwert meist für die stärkste kurze Geschwindigkeit, die in der angezeigten Stunde erwartet wird.
Turbulenz, vertikale Durchmischung und Hindernisse machen den Wind böig. Gebäude, Bäume, Hänge und Klippen verformen die Strömung. Schauer und Gewitter können schnellere Luft zur Oberfläche transportieren. Deshalb kann der Wind einige Minuten mäßig wirken und dann plötzlich kräftig drücken.
Warum die Böe wichtiger sein kann
- Verkehr: Seitenböen können Motorräder, Fahrräder, Wohnwagen, Transporter und Anhänger versetzen, besonders an Tunnelausfahrten oder neben Lastwagen.
- Küste und Boote: Spitzen erzeugen mehr Gischt und erschweren Manöver, bevor sich der mittlere Wind deutlich ändert.
- Terrassen und Baustellen: Markisen, Schirme, Platten und leichte Materialien reagieren auf den Höchstwert.
- Bäume und Leitungen: geschwächte Äste können in einer Böe brechen, obwohl der allgemeine Wind erträglich wirkt.
So liest man die Vorhersage richtig
- Einheit prüfen: km/h, m/s oder Knoten. Ein Knoten entspricht 1,852 km/h.
- Mittleren Wind, Böen und Richtung gemeinsam betrachten.
- Zeitpunkt des Maximums mit Fahrt oder Aktivität abgleichen.
- Exposition beachten: Küste, Brücken und Kämme sind windiger als geschützte Straßen.
- Amtliche Warnungen und lokale Hinweise verfolgen.
Eine vorhergesagte Böe hält nicht die ganze Stunde an und tritt nicht in jeder Straße exakt gleich auf. Sie ist ein wahrscheinlicher Höchstwert für den Zeitraum und das dargestellte Gebiet. Gelände und Gebäude verändern den Wind lokal.
Praktische Entscheidungsregel
Der Mittelwind beschreibt die anhaltenden Bedingungen; die Böe zeigt den stärksten kurzen Stoß. Bei Gleichgewichtsverlust, Seitenlast oder losen Gegenständen sollte der Böenwert stärker gewichtet werden. Bei amtlicher Warnung gelten die Hinweise der zuständigen Behörde, auch wenn eine App eine niedrigere Zahl zeigt.
Technische Definitionen bieten der Met Office zum Messen von Wind und das Glossar des National Weather Service.
