Eine mit Wasser bedeckte Straße kann passierbar wirken, besonders wenn man die Strecke kennt oder gerade ein anderes Fahrzeug hindurchgefahren ist. Dieser Eindruck täuscht. Vom Fahrersitz aus lassen sich Tiefe, Fließgeschwindigkeit und Zustand der Fahrbahn nicht zuverlässig beurteilen. Trübes Wasser kann Unterspülungen, offene Schächte, Äste oder eine bereits weggebrochene Fahrbahnkante verbergen.

Die sichere Entscheidung ist einfach: nicht hineinfahren, umkehren und eine andere Route suchen. Dieser Ratgeber dient der Information und ersetzt keine aktuellen Warnungen oder Anweisungen von Rettungsdiensten, Polizei, Straßenbehörden oder Katastrophenschutz.

Warum flach wirkendes Wasser gefährlich ist

Das Risiko hängt nicht allein von der Wasserhöhe ab. Entscheidend sind auch Geschwindigkeit und Richtung der Strömung, Gewicht und Form des Fahrzeugs, Gefälle, Haftung, Treibgut und Schäden an der Straße. Deshalb gibt es keine Wassertiefe, die für jedes Auto und jede Situation als sicher gelten kann.

  • Verlust der Bodenhaftung: Wasser verringert den wirksamen Reifenkontakt und kann das Fahrzeug versetzen.
  • Motorausfall: Gelangt Wasser in den Lufteinlass, kann der Motor ausgehen, während der Pegel weiter steigt.
  • Seitlicher Druck und Auftrieb: Schon vergleichsweise flaches fließendes Wasser kann ein Fahrzeug bewegen, besonders bei seitlicher Anströmung.
  • Unsichtbare Schäden: Eine intakt wirkende Straße kann unter der Wasseroberfläche unterspült sein.

Der US-amerikanische National Weather Service nennt anschauliche Richtwerte: Etwa 30 Zentimeter fließendes Wasser können viele Fahrzeuge aufschwimmen lassen, rund 60 Zentimeter die meisten mitreißen. Das sind keine Sicherheitsgrenzen und kein Anlass, die Tiefe mit dem Auge abzuschätzen. Die Bedingungen variieren, und aus dem Fahrzeug ist die Tiefe kaum zuverlässig erkennbar.

Vor der Fahrt bei angekündigtem Starkregen

  • Prüfen Sie den nationalen Wetterdienst, Meldungen des Katastrophenschutzes und aktuelle Verkehrsinformationen.
  • Vermeiden Sie unnötige Fahrten, wenn Behörden dazu raten.
  • Planen Sie eine Alternative fern von Flussbetten, Trockentälern, Unterführungen und Senken.
  • Laden Sie das Telefon und teilen Sie Ihre Route, wenn Sie durch ein gefährdetes Gebiet fahren.
  • Parken Sie nicht in trockenen Gerinnen, Schluchten, an Ufern oder an Tiefpunkten.

Eine Wetterwarnung zeigt mögliches oder bereits auftretendes gefährliches Wetter an, kann aber nicht jede überflutete Straße vorhersagen. Hochwasser kann zudem von oberhalb eintreffen, obwohl es vor Ort nicht mehr regnet. Mehr zu angekündigten Mengen erklärt unser Ratgeber über Regen in Millimetern und Niederschlagssummen.

Was tun, wenn Wasser die Fahrbahn bedeckt?

  1. Vor dem Wasser anhalten. Genügend Abstand lassen, um sicher wenden zu können.
  2. Absperrungen niemals umfahren. Sie sperren einen Abschnitt, dessen Zustand unbekannt sein kann.
  3. Umkehren. Folgen Sie keinem anderen Fahrzeug und werten Sie dessen Durchfahrt nicht als Sicherheitsbeweis.
  4. Umleitung nutzen oder sicher warten. Eine Verzögerung ist besser, als eingeschlossen zu werden.
  5. Den örtlichen Notruf wählen, wenn Menschen gefährdet sind, eine Straße gerade überflutet wurde oder Schäden noch nicht markiert sind. Den Standort aus sicherer Entfernung melden.

Wenn das Wasser um das Fahrzeug steigt

Die Lage kann sich in Sekunden verändern; eine Regel für alle Situationen gibt es nicht. Rufen Sie den Rettungsdienst, übermitteln Sie den genauen Standort und befolgen Sie die Anweisungen. Können Sie aussteigen und höheres Gelände erreichen, ohne in fließendes Wasser zu treten, handeln Sie frühzeitig. Müssen Sie dafür eine Strömung betreten, kann das Aussteigen gefährlicher sein. Versuchen Sie nicht, Auto oder Gegenstände zu retten.

Lassen sich Türen wegen des Wasserdrucks nicht öffnen oder dringt Wasser ein, hat die Rettung der Personen Vorrang; nutzen Sie möglichst ein Fenster. Helfen Sie zuerst Kindern und hilfsbedürftigen Mitfahrenden. Halten Sie sich anschließend von Gerinnen, Brücken, Mauern, Böschungen und Stromleitungen fern.

Häufige Fehler

  • Annehmen, ein SUV, Transporter oder schweres Fahrzeug könne nicht mitgerissen werden.
  • Auf Ortskenntnis vertrauen, obwohl sich die Fahrbahn binnen Minuten verändert haben kann.
  • Langsam hineinfahren, um „zu testen“, und zu spät merken, dass Wenden unmöglich ist.
  • Die Tiefe zu Fuß messen.
  • Zum Fahrzeug zurückkehren, obwohl der Pegel weiter steigt.

Nach dem Hochwasser

Kehren Sie erst zurück, wenn die Behörden die Straße freigeben. Ein sichtbar gesunkener Pegel beweist nicht, dass der Untergrund stabil ist. Starten Sie ein durchnässtes oder teilweise untergetauchtes Fahrzeug nicht; veranlassen Sie Bergung sowie mechanische und elektrische Prüfung. Schäden nur von einem sicheren Ort dokumentieren.

Amtliche Quellen