Aquaplaning entsteht, wenn ein Reifen das Wasser unter seiner Lauffläche nicht mehr schnell genug verdrängen kann. Ein Wasserkeil bildet sich, der wirksame Kontakt zur Fahrbahn nimmt stark ab. Lenk-, Brems- und Beschleunigungsbefehle werden dann nur eingeschränkt übertragen.
Eine allgemeingültige Grenzgeschwindigkeit gibt es nicht. Wassertiefe, Tempo, Reifenfülldruck, Profiltiefe, Beladung und Fahrbahnbeschaffenheit wirken zusammen. Die ausgeschilderte Höchstgeschwindigkeit ist bei Starkregen deshalb nicht automatisch eine sichere Geschwindigkeit.
Woran Sie den Haftungsverlust erkennen
Die Lenkung kann plötzlich ungewöhnlich leicht wirken, das Fahrzeug folgt kleinen Lenkbewegungen nicht mehr präzise oder fühlt sich gleitend an. Fährt nur eine Fahrzeugseite in eine Wasseransammlung, kann zusätzlich ein einseitiger Zug entstehen.
Jetzt gilt: keine abrupten Kräfte einleiten. Richten Sie den Blick auf den sicheren weiteren Fahrweg und vermeiden Sie hektisches Gegenlenken.
Richtig reagieren
- Lenkrad ruhig und sicher halten. Die Räder möglichst in Fahrtrichtung lassen.
- Gas sanft zurücknehmen. Das Fahrzeug gleichmäßig langsamer werden lassen.
- Nicht voll bremsen. Heftiges Bremsen oder Lenken kann das Fahrzeug destabilisieren, sobald die Reifen wieder greifen.
- Auf die Rückkehr der Haftung warten. Erst dann die Spur behutsam korrigieren.
Bei starkem Regen oder stehendem Wasser sollte der Tempomat ausgeschaltet bleiben. Die direkte Kontrolle über das Gaspedal erleichtert die Anpassung an wechselnden Grip.
Vorbeugen, bevor der Wasserkeil entsteht
Reduzieren Sie das Tempo vor glänzenden Flächen, wassergefüllten Spurrillen, größeren Pfützen oder dichter Gischt. Vergrößern Sie den Abstand. Der britische Highway Code weist darauf hin, dass der Anhalteweg bei Nässe mindestens doppelt so lang sein kann wie auf trockener Fahrbahn.
Prüfen Sie den Reifendruck bei kalten Reifen nach Herstellerangabe und kontrollieren Sie das Profil über die gesamte Breite. Die spanische Verkehrsbehörde DGT nennt zu hohes Tempo, abgefahrenes Profil und ungeeigneten Reifendruck als zentrale Faktoren für unzureichende Wasserverdrängung.
Stehendes Wasser birgt weitere Gefahren
Eine tiefe Wasserfläche kann Schlaglöcher verdecken, das Auto seitlich versetzen oder tiefer sein als erwartet. Ist der Untergrund nicht sichtbar oder die Tiefe nicht einschätzbar, fahren Sie nicht auf Verdacht hindurch. Frühzeitig langsamer werden und bei möglicher Überflutung eine andere Strecke wählen.
Kurze Checkliste für Regentage
- Warnungen, Radar und Verkehrslage vor der Abfahrt prüfen.
- Reifen, Wischer, Beleuchtung und Scheibenbelüftung kontrollieren.
- Sanft lenken und bremsen, größeren Abstand halten.
- Bei Starkregen auf Tempomat und unnötige Überholmanöver verzichten.
- Bei zu geringer Sicht oder schlechtem Abfluss sicher anhalten.
Aquaplaning dauert häufig nur Sekunden. Angepasstes Tempo, intakte Reifen und ruhige Bedienung schaffen in dieser kurzen Zeit den entscheidenden Sicherheitsgewinn.
