An einem feuchten Morgen liegen klare Tropfen auf dem Gras, weiße Kristalle auf der Windschutzscheibe oder eine raue Eisschicht an der Windseite eines Zweigs. Die Ablagerungen wirken ähnlich, doch Tau, Reif und Raueis entstehen durch unterschiedliche Prozesse. Wer sie unterscheidet, kann die nächtlichen Bedingungen und mögliche Glätte besser einordnen.
Dies ist ein allgemeiner Ratgeber und keine aktuelle Warnung. Beachten Sie für Sicherheitsentscheidungen die amtliche Vorhersage und Warnlage.
Der schnelle Vergleich
| Erscheinung | Ablagerung | Hauptprozess | Typisches Bild |
|---|---|---|---|
| Tau | Flüssiges Wasser | Wasserdampf kondensiert an einer kalten Fläche | Klare, runde Tropfen |
| Reif | Eiskristalle | Dampf lagert sich direkt als Eis an einer Fläche unter 0 °C ab | Feine weiße oder silbrige Kristalle |
| Raueis | Gefrorene Nebeltröpfchen | Unterkühlte Tropfen treffen auf Gegenstände und frieren an | Weiße, undurchsichtige, oft windgerichtete Schicht |
Tau: flüssige Kondensation
Tau bildet sich, wenn eine Oberfläche Wärme verliert—häufig durch Ausstrahlung in einer klaren Nacht—und bis zum Taupunkt der nahen Luft abkühlt. Dann kondensiert Wasserdampf zu Tropfen. Unser Ratgeber zu relativer Luftfeuchtigkeit und Taupunkt erklärt, warum der Taupunkt für Kondensation entscheidend ist.
Wenig Bewölkung, schwacher Wind und feuchte Luft in Bodennähe begünstigen Tau. Er fällt nicht wie Regen aus einer Wolke, sondern entsteht direkt auf Gras, Blättern, Fahrzeugen und anderen Flächen. Die Lufttemperatur kann dabei deutlich über 0 °C liegen.
Reif: Wasserdampf wird direkt zu Eiskristallen
Reif entsteht, wenn die Oberfläche unter dem Gefrierpunkt liegt und sich Wasserdampf unmittelbar als Eis ablagert, ohne zunächst einen beständigen Wasserfilm zu bilden. Deshalb erscheinen Nadeln, Federn oder verzweigte Kristalle. Reif ist kein Schnee, denn er fällt nicht aus einer Wolke.
Die amtliche Lufttemperatur wird in standardisierter Höhe gemessen. Ein Blatt, Dach oder eine Scheibe kann stärker auskühlen. Reif ist daher auch bei einer gemeldeten Tiefsttemperatur knapp über null möglich. Mehr dazu steht im Ratgeber zu Luft- und Bodenfrost.
Raueis: Eis aus gefrierendem Nebel
Raueis braucht Nebel oder tiefe Wolken mit unterkühlten flüssigen Tröpfchen. Sie bleiben unter 0 °C flüssig, frieren aber beim Auftreffen auf Äste, Drähte, Schilder oder Pflanzen fest. Bei Wind wächst die Ablagerung vor allem auf der angeströmten Seite und kann weiße Fahnen gegen den Wind bilden.
Die Weltorganisation für Meteorologie unterscheidet weiches und hartes Raueis sowie Klareis. Wechseln Wind, Tropfengröße oder Temperatur, können Misch- und Übergangsformen entstehen.
So lassen sich die Ablagerungen erkennen
- Rollen Tropfen ab oder machen die Hand nass? Das spricht für Tau, sofern es zuvor nicht geregnet hat.
- Liegen filigrane Kristalle auf frei zum Himmel gerichteten Flächen? Das passt zu Reif.
- Ist das Eis weiß, rau und auf der Windseite dicker? Raueis ist wahrscheinlicher.
- Ist die Schicht glatt und durchsichtig? Es könnte Klareis oder Glatteis sein; ein Foto allein reicht oft nicht zur Bestimmung.
Mehrere Prozesse können nacheinander wirken: Tau kann später gefrieren, oder Nebel zieht erst kurz vor Sonnenaufgang auf.
Bedeutung für Verkehr und Aktivitäten
Tau macht Flächen nass; Reif und Raueis können Brücken, Treppen, Felsen, Stege und Nebenstraßen glatt machen. Erhöhte Flächen kühlen oft früher ab, weil sie weniger Bodenwärme erhalten. Im Bergland kann Raueis zusätzlich Äste, Leitungen und exponierte Bauteile belasten.
Kombinieren Sie vor frühen Fahrten oder Wanderungen vier Angaben: vorhergesagte Tiefsttemperatur, Taupunkt, Nebelwahrscheinlichkeit und amtliche Warnungen. Verlassen Sie sich nicht nur auf die Autoanzeige oder einen einzelnen App-Wert. Bei Glanz, weißen Flecken oder Nebel nahe 0 °C ist besondere Vorsicht nötig.
