Wächst eine Gewitterwolke zu einem mächtigen Turm und breitet sich ihr Oberteil waagerecht aus, sehen wir den Amboss eines Cumulonimbus. Der Fachbegriff lautet incus. Er zeigt, dass die Konvektion die obere Troposphäre erreicht hat, beweist allein jedoch kein schweres Unwetter.

Warum das Wachstum nach oben endet

Warme, feuchte Luft steigt im Aufwind auf. Sie kühlt ab, Wasserdampf kondensiert und in großer Höhe besteht die Wolke überwiegend aus Eiskristallen. Nahe der Tropopause wird die Atmosphäre deutlich stabiler und hemmt den weiteren Aufstieg. Wolkenmaterial weicht seitlich aus und Höhenwinde ziehen es zum Amboss auseinander.

Die Weltorganisation für Meteorologie beschreibt incus als den ambossförmig ausgebreiteten oberen Teil eines Cumulonimbus mit glattem, faserigem oder gestreiftem Aussehen. Die Faserstruktur stammt vom Eis.

Was ein ausgeprägter Amboss zeigt

Ein breiter Amboss kennzeichnet ein reifes Gewitter und einen Aufwind, der Feuchtigkeit in große Höhe transportiert hat. Die Fahne folgt meist der Strömung in der Höhe. Die gesamte Zelle muss sich jedoch nicht genauso bewegen, denn an einer anderen Flanke können neue Zellen entstehen.

Die Kuppel über dem Amboss

Manchmal ragt eine runde Wölbung über die flache Oberseite. Dieser Overshooting Top entsteht, wenn ein besonders starker Aufwind kurzzeitig durch die stabile Schicht stößt. Eine anhaltende Kuppel spricht für kräftige Konvektion und erhöht die Sorge vor Hagel, Sturm und Starkregen. Bestätigt wird die Gefahr aber erst durch Radar, Satellit, Blitzdaten und Warnungen.

Blitze außerhalb des Regens

Der Amboss kann viele Kilometer über den Niederschlagskern hinausreichen. Auch dort befindet sich elektrische Ladung. Deshalb kann ein Blitz in Bereichen mit wenig Regen oder sichtbarem Blau am Himmel einschlagen. Ein entfernt wirkender dunkler Kern bietet keine Sicherheit.

  • Bei hörbarem Donner in ein festes Gebäude oder geschlossenes Fahrzeug gehen.
  • Nicht unter Einzelbäumen, offenen Dächern oder Sonnenschirmen warten.
  • Kuppen, Strände, freie Flächen und Wasser verlassen.
  • Erst weitergehen, wenn das Gewitter eindeutig abgezogen ist.

Niederschlag und Virga

Unter dem Kern liegen oft dichte Regen- oder Hagelschleier. Eiskristalle am Ambossrand können vor dem Boden verdunsten und Virga bilden. Obwohl es darunter ruhig aussieht, bleiben Blitz und plötzliche Ausflusswinde möglich.

Was die Form nicht beweist

Ein Amboss bestätigt weder Superzelle noch Tornado oder Riesenhagel. Auch die Entfernung ist wegen der enormen Wolkengröße schwer zu schätzen. Grünliche Farbe, dunkle Basis oder spektakuläre Form reichen nicht; entscheidend sind Radar, Blitzortung und amtliche Warnungen.

Sicher beobachten

Aus einem geschützten Ort lassen sich der blumenkohlartige Turm, der Übergang zum faserigen Oberteil und die Ausbreitungsrichtung erkennen. Danach sollten Radar und Warnungen geprüft werden. Beobachtung erklärt die Struktur, darf aber nie zum Annähern verleiten.