Vor einem Gewitter zieht manchmal ein tiefes, dunkles Wolkenband über den Horizont. Die Vorderkante wirkt keilförmig, die Unterseite zerfetzt und turbulent. Das sieht bedrohlich aus, bedeutet aber nicht automatisch Tornadogefahr. Meist handelt es sich um eine Arcuswolke, oft Shelf Cloud oder Böenwalze genannt.
Der Internationale Wolkenatlas der WMO beschreibt Arcus als dichte horizontale Walze am vorderen unteren Teil bestimmter Wolken. Sie tritt bei Cumulonimbus und seltener bei Cumulus auf.
Wie entsteht sie?
Durch Niederschlag und Verdunstung abgekühlte Luft sinkt im Gewitter ab und breitet sich am Boden aus. Dieser Kaltluftausfluss schiebt sich unter die wärmere, feuchte Luft davor und hebt sie an. Beim Aufsteigen kühlt sie ab; Kondensation zeichnet das Wolkenband an der Böenfront.
Die Vorderseite kann glatt und scharf begrenzt erscheinen, während darunter Wolkenfetzen schnell umgewälzt werden. Die Shelf Cloud bleibt mit der Mutterwolke verbunden. Danach können Winddrehung, Temperaturrückgang, Starkregen, Hagel und Blitze folgen. Aus der Form allein lässt sich die genaue Böenstärke nicht bestimmen.
Shelf Cloud, Roll Cloud und Tornado
- Shelf Cloud: keilförmig, mit der Gewitterwolke verbunden und meist Kennzeichen des Kaltluftausflusses.
- Roll Cloud: eine abgelöste horizontale Röhre, die scheinbar um ihre Achse rollt.
- Tornado: stark rotierende Luftsäule zwischen einer konvektiven Wolke und dem Boden. Turbulente Fetzen unter dem Arcus reichen als Nachweis nicht aus.
Niedrige Wolkenfetzen können auch wie ein Trichter wirken. Ein Tornado erfordert organisierte Rotation und Bodenkontakt; ein einzelnes Foto kann das meist nicht bestätigen.
Was kündigt die Arcuswolke an?
Sie zeigt, dass die Böenfront nahe ist. Die unmittelbare Gefahr ist häufig ein rascher Windanstieg, der Gegenstände fortweht, Äste bricht und den Straßenverkehr erschwert. An Küsten und Seen kann der plötzliche Wechsel Schwimmer, Boards und kleine Boote gefährden. Blitze sind schon vor dem Regen möglich.
Nicht jede Arcuswolke verursacht Schäden. Amtliche Warnungen, Radar und örtliche Beobachtungen sind für die Risikobewertung entscheidend. Die Wolke liefert einen Hinweis, aber keine vollständige Vorhersage.
Richtig reagieren
- Aktivitäten im Freien beenden und ein festes Gebäude oder geschlossenes Fahrzeug aufsuchen.
- Abstand zu Bäumen, leichten Bauten und losen Gegenständen halten.
- Wasser, Strand, Schwimmbad oder Boot rechtzeitig verlassen.
- Markisen und Möbel nur sichern, wenn die Böenfront noch nicht da ist.
- Nicht für Fotos in Richtung des Gewitters fahren.
- Amtliche Warnungen verfolgen und das Ende der Blitzgefahr abwarten.
Sichtbares Warnzeichen, keine Intensitätsskala
Eine Arcuswolke macht den herannahenden Gewitterausfluss sichtbar. Ihre spektakuläre Form beweist weder einen Tornado noch eine bestimmte Windgeschwindigkeit. Früh Schutz zu suchen ist wichtiger als die Wolke aus exponierter Position zu beobachten.
