Manchmal rollt sich ein Wolkenrand zu einer erstaunlich regelmäßigen Reihe von Kämmen auf, als wären Meereswellen am Himmel erschienen. Umgangssprachlich heißen sie Kelvin-Helmholtz-Wolken; in der offiziellen Klassifikation trägt das Merkmal den Namen Fluctus.
Was ist Fluctus?
Die Weltorganisation für Meteorologie beschreibt Fluctus als relativ kurzlebige Wellenformation, meist auf der Oberseite einer Wolke, in Form von Locken oder brechenden Wellen. Es handelt sich um ein Zusatzmerkmal und nicht um eine eigene Wolkengattung.
Fluctus tritt vor allem bei Cirrus, Altocumulus, Stratocumulus und Stratus auf, gelegentlich auch bei Cumulus. Deshalb erscheinen die Kämme einmal als feine weiße Fasern und ein anderes Mal als kompakte Rollen auf einer grauen Schicht.
Wie entstehen die Wellen?
Entscheidend ist Windscherung: benachbarte Luftschichten bewegen sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit oder Richtung. Wird ihre Grenzfläche instabil, wachsen kleine Störungen. Die schnellere Schicht zieht den oberen Teil nach vorn; die Welle kippt, rollt sich ein und ähnelt einer brechenden Meereswelle.
Der Name erinnert an William Thomson, Lord Kelvin, und Hermann von Helmholtz. Die Instabilität kann in verschiedenen Fluiden auftreten, wird am Himmel aber nur sichtbar, wenn genügend Feuchtigkeit die Bewegung durch Kondensation nachzeichnet.
Warum ist das Muster kurzlebig?
Die Kämme sind eine Übergangsphase. Beim Einrollen vermischen die Wellen Luft beiderseits der Grenze und schwächen den Unterschied, der ihr Wachstum ermöglichte. Konturen verschwimmen; die Formation kann innerhalb weniger Minuten zerfallen.
Was zeigt Fluctus an?
Das Merkmal ist ein sichtbarer Hinweis auf Scherung und dynamische Instabilität in der betreffenden Schicht. In der Nähe kann Turbulenz auftreten. Vom Boden aus lassen sich Stärke und genaue Höhe jedoch nicht zuverlässig allein aus dem Anblick bestimmen.
Fluctus ist keine automatische Warnung vor Gewitter, Tornado oder Unwetter. Er kann ohne Niederschlag und an wenig mächtigen Wolkenschichten vorkommen. Sichtbar wird die Relativbewegung von Luftschichten, keine vollständige Wetterprognose.
Erkennungsmerkmale
- Mehrere aufeinanderfolgende Locken statt einer einzelnen Ausbuchtung.
- Brechende Wellen, die in dieselbe Richtung geneigt sind.
- Eine Formation am oberen Rand eines Wolkenbandes.
- Schnelle Veränderung oder Auflösung.
Eine kurze Zeitrafferaufnahme hilft bei der Abgrenzung zu Lenticularis, Mammatus oder Perspektiveffekten. Am aussagekräftigsten ist die geordnete Folge kippender, einrollender Kämme.
