Schwacher Wind am Strand garantiert keine ruhige See. Wellen können hunderte oder tausende Kilometer entfernt entstanden sein und weiterlaufen, obwohl der erzeugende Sturm weit weg ist. Küstenvorhersagen unterscheiden deshalb Windsee und Dünung.

Was ist Windsee?

AEMET definiert Windsee als den Seegang, den Wind über einer Wasserfläche erzeugt. Der Wind überträgt Energie und bildet zunächst kleine Wellen. Sie wachsen, wenn er stärker ist, länger anhält und über eine größere Strecke —den Fetch— weht.

Nahe am Entstehungsgebiet wirkt die Oberfläche häufig unregelmäßig: kurze Kämme, gemischte Richtungen und relativ kurze Perioden. Die See reagiert zudem verzögert auf Windänderungen; eine Böe an Land bestimmt nicht unmittelbar jede eintreffende Welle.

Was ist Dünung?

Dünung ist Wellenenergie, die das Gebiet ihrer Winderzeugung verlassen hat. Auf dem Weg sortieren sich die Wellen: Komponenten mit längerer Periode breiten sich schneller aus und können vor den kurzen eintreffen. Die Kämme erscheinen meist regelmäßiger und weiter auseinander.

Daher kann Dünung bei klarem Himmel und schwachem örtlichem Wind eine Küste erreichen. Der verantwortliche Sturm liegt womöglich weit entfernt oder ist schon abgeklungen. Mehrere Dünungssysteme aus verschiedenen Richtungen können sich überlagern.

Der Normalfall: kombinierte See

Die sichtbare Oberfläche ist die Summe aus örtlicher Windsee und einer oder mehreren Dünungen. AEMET bezeichnet dies als kombinierte See. Treffen Komponenten aus verschiedenen Richtungen ein, entsteht Kreuzsee, die für kleine Boote unangenehm oder gefährlich sein kann.

Die signifikante Wellenhöhe ist der Mittelwert des höchsten Drittels, nicht die Höhe jeder Welle und kein garantiertes Maximum. Einzelwellen sind kleiner oder größer. Unser Ratgeber zu Wellenhöhe, Periode und Richtung erklärt das gemeinsame Lesen.

Veränderungen an der Küste

In flacherem Wasser werden Wellen langsamer, kürzer und steiler, bis sie brechen. Meeresboden, Landspitzen, Buchten, Riffe und Hafenbauten können Energie umlenken, bündeln oder abschirmen. Zwei benachbarte Strände reagieren daher unterschiedlich auf dieselbe Dünung.

Langperiodische Dünung kann kräftige Brandung, überspülte Felsen und starke Strömungen erzeugen. Eine allgemein sichere Wellenhöhe gibt es nicht: Periode, Richtung, Tide, Küstenform und Exposition zählen ebenfalls.

Praktische Prüfung vor dem Küstenbesuch

  • Höhe, Periode und Richtung von Windsee und Dünung prüfen.
  • Örtlichen Wind, Tide und amtliche AEMET-Seewetterwarnungen beachten.
  • Flaggen, Sperrungen und Anweisungen von Rettungskräften und Behörden befolgen.
  • Nicht auf Molen, Klippen oder exponierte Promenaden gehen; größere Wellengruppen können nach ruhigen Minuten eintreffen.
  • Für Bootsfahrt oder Wassersport die zonengenaue Vorhersage, Erfahrung, Ausrüstung und Alternative bewerten.

Dieser Beitrag ersetzt keine aktuelle Seewetterwarnung. Regelmäßige Dünung ist nicht automatisch harmlos.

Offizielle Quellen