Eine Straße kann am Abend frei sein und im Morgengrauen unter dichtem Nebel verschwinden. Dafür sind weder Regen noch eine herannahende Front nötig. Häufig handelt es sich um Strahlungsnebel: Der Boden verliert in einer ruhigen Nacht Wärme und kühlt die feuchte Luft direkt darüber ab.
Zuerst kühlt der Boden aus
Nach Sonnenuntergang gibt die Erdoberfläche weiterhin Energie als Infrarotstrahlung ab. Bei klarem Himmel kann mehr davon nach oben entweichen. Der Boden kühlt aus und senkt durch direkten Kontakt auch die Temperatur der untersten Luftschicht.
Nähert sich die Lufttemperatur dem Taupunkt, steigt die relative Feuchte. Bei Sättigung kondensiert ein Teil des Wasserdampfs zu winzigen schwebenden Tröpfchen. Verringern sie die Sicht am Boden, ist Nebel entstanden.
Warum klarer Himmel und schwacher Wind wichtig sind
Wolken wirken teilweise wie eine Decke: Sie nehmen Strahlung auf und senden einen Teil zur Oberfläche zurück. Dadurch wird die nächtliche Abkühlung begrenzt. Klare Nächte begünstigen Strahlungsnebel daher stärker.
Auch der Wind spielt eine Rolle. Eine sehr schwache Brise kann die Feuchtigkeit in einer etwas tieferen Schicht verteilen und den Nebel ausdehnen. Stärkerer Wind mischt Luft aus höheren Schichten ein und kann verhindern, dass die flache Bodenschicht ausreichend auskühlt. Völlige Windstille garantiert jedoch nichts: Ohne genügend Feuchte sinkt nur die Temperatur.
Warum der Nebel bei Sonnenaufgang oft am dichtesten ist
Der Sonnenaufgang erzeugt den Nebel nicht plötzlich. Die Abkühlung summiert sich über die Nacht. Kurz vor oder um Sonnenaufgang liegt die Temperatur häufig am niedrigsten; der Abstand zum Taupunkt kann dann besonders klein sein.
Flache Nebelfelder können sich in den letzten Nachtstunden ausbreiten und verdichten. Nach Sonnenaufgang bleibt der Nebel zunächst bestehen, weil sich Boden und unterste Luftschicht erst erwärmen müssen und die Nebelschicht selbst einen Teil der Sonneneinstrahlung abschirmt.
Täler, Senken und feuchte Felder
Kalte Luft ist dichter und fließt in tieferes Gelände. In stabilen Nächten sammelt sie sich in Tälern und Mulden, wo der Wind oft schwächer ist. Feuchtigkeit aus nassem Boden, Flüssen, Seen und Pflanzen erleichtert die Sättigung.
Die Sicht kann sich deshalb innerhalb weniger Kilometer stark ändern: Ein Hang ist klar, während der Talboden im Nebel liegt. Nach Regen liefert feuchter Boden zusätzlichen Wasserdampf, dennoch müssen Abkühlung und Wind ebenfalls passen.
Wie sich Strahlungsnebel auflöst
Erwärmt die Sonne den Boden, steigt die Temperatur der bodennahen Luft und die relative Feuchte sinkt. Tröpfchen verdunsten, die vertikale Durchmischung nimmt zu. Der Nebel kann zunächst zu tiefem Stratus anheben und später aufbrechen oder von den Rändern und flacheren Bereichen her verschwinden.
Die Auflösung dauert länger, wenn der Nebel mächtig ist, die Sonne niedrig steht, darüber Wolken liegen oder der Wind schwach bleibt. Im Herbst und Winter können lange Nächte und schwache Sonneneinstrahlung den Nebel bis weit in den Vormittag erhalten oder unter einer Inversion festhalten.
Nicht jeder Nebel ist Strahlungsnebel
Advektionsnebel entsteht, wenn feuchte Luft über eine kältere Oberfläche strömt. Er kann sich auch bei Bewölkung und stärkerem Wind bilden und tritt an manchen Küsten häufig auf. Hangnebel entsteht, wenn Luft an aufsteigendem Gelände gehoben wird und abkühlt. Die Nebelart beeinflusst, wie rasch er verschwindet.
Sicher fahren
- Prüfe Sichtprognosen und Warnungen, nicht nur die Regenwahrscheinlichkeit.
- Reduziere die Geschwindigkeit vor der Nebelbank und vergrößere den Abstand.
- Nutze die passende Beleuchtung; Fernlicht wird an den Tröpfchen reflektiert und kann die Sicht verschlechtern.
- Fahre dem vorausfahrenden Fahrzeug nicht zu dicht hinterher und halte niemals auf der Fahrbahn.
- Sei in Tälern, an Flüssen, auf Brücken und in kalten Senken besonders vorsichtig.
Das Wichtigste
Strahlungsnebel entsteht, wenn Boden und feuchte Luft darüber im Laufe der Nacht immer weiter auskühlen. Bei Sonnenaufgang ist er oft am ausgedehntesten, weil die Abkühlung viele Stunden wirken konnte. Sonnenschein beseitigt ihn nicht sofort: Zuerst müssen Erwärmung, Verdunstung und Durchmischung einsetzen.
